Chance CHEF

Mit Betriebswirtschaft auf Tuchfühlung

Liebe auf den ersten Blick ist selten zwischen Schülern und Betriebswirtschaft. Zu unnahbar, zu abstrakt das Thema. Das Unterrichtskonzept „Chance CHEF – Handwerk erfolgreich führen“ des Baden-Württembergischen Handwerkstag will Schüler und Wirtschaft miteinander bekannt machen: vom vorsichtigen Händeschütteln bis hin zur Romanze. Zwei Lehrer berichten über ihre Erfahrung.

Im Zentrum von Chance CHEF steht eine Lernsoftware, mit der Schüler eine virtuelle Schreinerei führen und das unter authentischen Bedingungen. „Damit der Kunde rechtzeitig seine Garderobe erhält, müssen die Schüler einiges unter einen Hut bringen: Angebote kalkulieren, Personal führen, Maschinen warten und und und…“, erklärt EWG-Lehrerin Anke Männer, die das Konzept an der Realschule Blaustein zum Einsatz brachte. In einer Schulung der Handwerkskammer erhielt sie eine Einführung zur Software und dem didaktischem Konzept dahinter. „Betriebswirtschaft begleitet Schüler oft ein Leben lang. Wir wollen nicht, dass sie dagegen Vorbehalte entwickeln. Wir wollen, dass sie sich heran trauen! Je früher, desto besser“, so Herr Scheiffele von der Handwerkskammer Ulm.

Insolvenzbrief als Lektion
Vor Chance CHEF waren den Achtklässlern unternehmerische Fragen fremd, jetzt saßen sie in Chefsesseln und mussten über rote oder schwarze Zahlen entscheiden. Diese Selbstständigkeit motiviert, weiß Anka Männer: „Eine Schülerin kam nach der Stunde und meinte: ‚Alles was mit Marketing zu tun hat, das liegt mir!‘ Die Gruppe war mit dem Kopf dabei, anstatt auf die Uhr zu schauen‘“. Herr Gesierich-Kowalski, Konrektor an der Grund- und Werkrealschule am Adenauerplatz in Leutkirch, beobachtete Lernprozesse bei seinen Schülern: „Ein Insolvenzbrief im Spiel ersetzte so manche Unterrichtseinheit. Aber vielleicht noch wichtiger: Die Schüler erkannten ihr Potential und ihre Grenzen im kaufmännischen Bereich – ein wertvoller Schritt für
die berufliche Orientierung.“

Wertpapiere statt Pizza
Auch die hauseigenen Schülerfirma „Looks“ der Werkrealschule profitierte von Chance CHEF: Die Schüler begannen mit nachhaltigen Materialien zu produzieren und befragten die Käufer nach ihrer Zufriedenheit. Bei Chance Cup, dem im Rahmen von Chance CHEF angebotenen Wettbewerb, erreichte eine der Leutkirchner Schülergruppen den zweiten Preis. Die Neuntklässler hätten von den 100 Euro Preisgeld Pizza essen gehen können, stattdessen kauften sie Wertpapiere an der eigenen Schülerfirma.

Beide Schulen werden Chance CHEF auch im nächsten Schuljahr wieder einsetzen. Der Konrektor zieht ein persönliches Fazit. „Wir trauen unseren Schülern in kaufmännischer Hinsicht zu wenig zu. Das muss sich ändern, nur dann können wir ihrem Potential gerecht werden!“ Chance CHEF ist für alle Schularten konzipiert und für drei Niveaustufen der Klassen 8 bis 13. Das Projekt wird vom Ministerium für Finanzen und Wirtschaft Baden-Württemberg/ ifex gefördert. Dank der Übernahme der Lizenzgebühren durch die Volksbanken Raiffeisenbanken in Baden-Württemberg fallen für die Nutzung des Konzepts keine Kosten an.

(ap)